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 Interview mit Dr. Thomas Brieden Medienpartner ...  Medien, Elektronik, PC und mehr ...

Der Chefarzt an der Karl-Jaspers-Klinik Oldenburg gibt Tipps zur Vorbeugung. Aggressivität und Unruhe der Patienten sind bei der Betreuung problematisch.
Demenz führt eigene Endlichkeit vor Augen.
Welt-Alzheimer-Tag Dr. Thomas Brieden erklärt, warum die Krankheit ein Tabu ist.
Quelle: Nordwest-Zeitung, Oldenburg, Dr. Thomas Brieden, Karl-Jaspers-Klinik.

Alzheimer und Demenzen verstehen

Bericht/Auszüge von Evelyn Eveslage

FRAGE: Herr Dr. Brieden, was ist der Unterschied zwischen altersbedingter Vergesslichkeit und Alzheimer?

BRIEDEN: Solange sich die Vergesslichkeit nur auf eher unwichtige Dinge bezieht wie die beim Einkaufen vergessene Butter, ist das normal. Alzheimer hingegen ist eine unheilbare, chronisch fortschreitende Gehirnerkrankung, die – behandelt oder unbehandelt – zum Tod führt. Neben der zunehmenden Vergesslichkeit kommen eine schleichende Veränderung der Persönlichkeit und letztendlich ein vollständiger Zerfall der Kommunikationsfähigkeit hinzu.

FRAGE: Warum gilt Alzheimer noch als ein gesellschaftliches Tabu-Thema?

BRIEDEN: Die Krankheit führt uns Menschen die eigene Endlichkeit vor Augen. Der Mensch versiegt, er schleicht sich aus dem Leben, er macht Veränderungen durch, die wir nicht verstehen und die uns hilflos machen. So wollen die meisten von uns nicht werden.

FRAGE: Welche Ursachen für die Krankheit gibt es?

BRIEDEN: Um die beruhigendste Antwort gleich vorwegzunehmen: Eine Vererbung im klassischen Sinne gibt es bei der Alzheimerschen Demenz nicht oder nur in sehr seltenen Sonderformen. Der größte Risikofaktor, eine Alzheimer-Demenz zu bekommen, ist nach wie vor das Alter. Ab dem 65. Lebensjahr verdoppelt sich alle fünf Jahre das Risiko, an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken.
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FRAGE: Wie wird Alzheimer therapiert?

BRIEDEN: Die vier Wirkstoffe, die Demenz entgegen wirken, halten das Fortschreiten der Erkrankung nicht auf. Sie ermöglichen den Betroffenen aber eine wesentlich bessere Lebensqualität. So bleiben alltagspraktische Fähigkeiten länger erhalten, die Unterbringung im Heim kann hinaus gezögert werden. Diese Effekte sind jedoch zeitlich begrenzt.

FRAGE: Kann Denksport Alzheimer vorbeugen?

BRIEDEN: Geistige Beschäftigung kann in geringem Maße dazu beitragen, eine gewisse Flexibilität im Denken zu unterstützen. Man sollte sein Leben so früh wie möglich gesund gestalten. Wichtiger noch als Gedächtnistraining ist auch bei bereits an Alzheimer Erkrankten regelmäßige und ausreichende Bewegung.

FRAGE: Wie weit ist die Forschung in Sachen Alzheimer?

BRIEDEN: Die biochemischen und neuropathologischen Veränderungen sind offensichtlich so komplex und umfassen so viele Ebenen im Gehirn, dass wir sie mit den derzeitigen Methoden nicht ganz nachweisen können. Wir gehen derzeit davon aus, dass es in den nächsten zehn bis 15 Jahren keine neuen Medikamente gegen Alzheimer auf dem Markt geben wird.

FRAGE: Was sind häufige Probleme bei der Betreuung?

BRIEDEN: Vergesslichkeit kann man durch das Anbringen von Erinnerungszetteln oder häufigem Wiederholen noch halbwegs abfangen. Wenn jedoch Unruhe, Weglauftendenzen, Aggressivität, eine Umkehr des Tag-Nacht-Rhythmus und das Verkennen von Situationen und Personen hinzukommen, dann sind die familiären Hilfssysteme sehr schnell an ihrer Leistungsgrenze.

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