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Gesundheit

Senile Bettflucht: Erklärung, Ursachen und Vorbeugung

Das individuelle Schlafverhalten gestaltet sich sehr unterschiedlich. So kennt jeder die Ausdrücke „Frühaufsteher“ bzw. „Morgenmuffel“, fachsprachlich werden die beiden Typen auch Lerchen bzw. Eulen genannt. Lerchentypen sind bereits früh am Morgen frisch und munter, während die Eulen gerne länger schlafen, am Abend aber auch erst sehr spät zu Bett gehen. Dieser Unterschied ist genetisch bedingt und kann bereits bei kleinen Kindern beobachtet werden.

Senile Bettflucht: Grundlegende Informationen

Teenagers und junge Menschen sind normalerweise auch eher nachtaktiv, ab 30 Jahren verändert sich aber unser Schlafverhalten und man steigt wesentlich früher aus den Federn. Neben den genetischen Einflüssen ist das Schlafverhalten aber auch von der Schlafumgebung, von Medikamenten oder Erkrankungen bzw. auch von Genussmitteln wie zum Beispiel Kaffee, Tee oder Alkohol abhängig. Außerdem ist der Bedarf an Regeneration auch vom Alter abhängig. So hat jemand, der täglich arbeitet, einen höheren Schlafbedarf als Personen, die sich bereits im Rentenalter befinden.

Im Alter verschiebt sich der Wach-Schlaf-Rhythmus, wobei das Hormon Melatonin dabei eine wesentliche Rolle spielt. Insofern sind kleine Veränderungen in unserem Schlafverhalten keineswegs krankhaft oder behandlungsbedürftig. Treten aber Schlafstörungen über einen längeren Zeitraum auf, so sollten diese von einem Arzt abgeklärt werden.

Was versteht man unter seniler Bettflucht?

Mit zunehmendem Alter verkürzt sich zumeist das Schlafbedürfnis und Senioren verlassen dann oftmals bereits um vier oder fünf Uhr in der Früh ihr Bett. Dieses Phänomen ist im Volksmund auch unter dem Begriff „Senile Bettflucht“ bekannt. Senile Bettflucht ist also ein scherzhaft gemeinter Terminus und keine Erkrankung an sich, kann aber dennoch für viele ein Problem darstellen. Viele Menschen, die über 60 Jahre alt sind, schlafen oft sehr unruhig, wachen in der Nacht öfter auf und werden plötzlich zu einer „frühaufstehenden Lerche“.

Was können die Ursachen sein?

Der Grund dafür, dass sich der Schlaf-Wach-Rhythmus verändert, ist auf das Hormon Melatonin zurückzuführen. Normalerweise erfolgt die Bildung von Melatonin bei Dunkelheit und die Produktion führt dazu, dass wir uns müde fühlen. Am Morgen wird die Hormonausschüttung wieder reduziert, wodurch der Körper das Signal erhält, wieder „munter“ zu werden. Mit fortschreitendem Alter nimmt allerdings die Melatonin-Produktion ab, wobei ein extremes Absinken vor allem bei Demenz-Patienten beobachtbar ist.

Allerdings stellt das Absinken des Melatonin-Spiegels nicht alle Betroffenen vor ein Problem, denn fühlen sich trotz früheren Aufstehens fit. Wer unter dem Schlafmangel jedoch leidet, sollte sein Problem bei einem Arzt abklären lassen, denn es kann auch eine ernsthafte Erkrankung dahinterstecken.

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Lichtmangel und chronische Schmerzen

Eine weitere Ursache für Schlafprobleme könnte auch auf Lichtmangel zurückzuführen sein. Ältere Menschen halten sich oft weniger im Freien auf, wobei der Grund dafür oftmals ein Mobilitätsverlust ist. Außerdem lassen auch die Hör- und Sehkraft im Alter nach, sodass man in den Abendstunden nicht mehr für Aktivitäten nutzt. Aus Langeweile gehen ältere Menschen dann oftmals sehr früh zu Bett, ohne jedoch wirkliche Müdigkeit zu verspüren. Einerseits kann sich die Einschlafzeit dadurch verlängern, andererseits wacht man am Morgen auch sehr früh auf.

Zudem wird der Schlaf bei manchen älteren Menschen durch chronische Schmerzen oder nächtliches Wasserlassen verschlechtert, sodass sie dadurch anfälliger für Geräusche sind und auch weniger Tiefschlafphasen erleben. Daher ist eine optimale Behandlung der Grunderkrankungen sehr wichtig, da sich sonst ein Teufelskreis ergibt. Der Schlafmangel, der aus der Erkrankung resultiert, löst nämlich bei den Betroffenen Unwohlsein aus, wodurch die Abwehrkräfte herabgesetzt werden. Dadurch können sich die Symptome verstärken oder neue Erkrankungen auftreten.

Behandlungsmöglichkeiten bei seniler Bettflucht

Wie bereits zuvor erwähnt, fühlen sich viele ältere Menschen fit, obwohl sie nur sechs Stunden lang schlafen. Geht das veränderte Schlafverhalten aber mit einem ständigen Müdigkeitsgefühl einher, kann es vor allem für Menschen, die noch berufstätig sind, ein Problem darstellen, da die Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit im Alltag nachlässt. Darüber hinaus kann hinter dem veränderten Schlafrhythmus auch eine Erkrankung stecken, darunter beispielsweise Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems oder Darmprobleme. Auch Nebenwirkungen von Arzneimitteln können darüber hinaus die Ursache für ein plötzliches Erwachen oder einen unruhigen Schlaf sein.

Weitere Tipps für eine erholsame Nachtruhe

Ist die senile Bettflucht nicht auf Erkrankungen oder auf die Einnahme von Medikamenten zurückzuführen, so kann man auch versuchen, erst dann ins Bett zu gehen, wenn man sich tatsächlich müde fühlt. Darüber hinaus sollte man auch auf einen Mittagsschlaf verzichten, da dieser den Tag-Nacht-Rhythmus durcheinander bringen könnte. Des Weiteren sollte man nach 16 Uhr keinen Kaffee mehr trinken bzw. vier Stunden, bevor man ins Bett geht, keinen Alkohol zu sich nehmen. Treiben Sie außerdem regelmäßig Sport und halten Sie sich so oft wie möglich an der frischen Luft auf.

Zudem können ungesüßter Kirschsaft oder Baldrian beim Einschlafen unterstützend wirken. Menschen, die trotz seniler Bettflucht tagsüber nicht müde sind, haben offenbar ein geringeres Schlafbedürfnis, sodass man sich nicht dazu zwingen muss, länger im Bett zu bleiben. Auch ein abendliches Ritual, wie zum Beispiel ein Spaziergang, kann dazu beitragen, seinen eigenen Rhythmus zu entwickeln und sich auf das Zubettgehen einzustimmen. Auch Fernsehen kann für den Körper durchaus Stress bedeuten, daher sollte man seinen Fernsehkonsum reduzieren und stattdessen entspannende Musik hören oder ein Buch lesen.

Meditation und Hausmittel

Auch Meditation oder Autogenes Training haben sich bei Schlafstörungen bewährt, zudem wirkt auch Lavendel sehr beruhigend auf Geist und Körper. Daher kann man sich beispielsweise Lavendel zum Trocknen im Zimmer aufhängen oder ein Lavendelöl verwenden. Sorgen Sie außerdem für einen optimalen Schlafraum: Dieser sollte leise und dunkel und gut belüftet sein und die Raumtemperatur sollte zwischen 16 und 18 Grad liegen. Verzichten Sie aber auf jeden Fall darauf, ihr Schlafverhalten selbst mit Medikamenten zu behandeln. Wer unter seniler Bettflucht leidet, sollte zunächst die Gründe dafür suchen und bei anhaltenden Schlafproblemen, die sich auch auf den Alltag auswirken, am besten einen Arzt konsultieren.

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