Klostermedizin
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Gesundheit

Klostermedizin: Alternatives Heilen nach alten Rezepten

Nach und nach wird das Wissen der Mönche und Ordensfrauen neu entdeckt und mit modernen Methoden überprüft. Dabei wird sein Nutzen für die Medizin immer wieder eindrucksvoll bestätigt. Die Heilkräfte von Kräutern, seit alters her bekannt, erscheinen heute in einem ganz neuen Licht. Ob Nachtkerze oder Lungenkraut, die Klosterbrüder verfügten über enorme Kenntnisse, die weit in die Vergangenheit zurückreichten und über die Jahrhunderte immer weiter verfeinert wurden.

Der Benediktinermönch Cassiodorus, einer der Gründer Europas, riet bereits im Jahr 560 n. Chr. den Medizinern: „Lernet die Eigenschaften der Kräuter und die Mischungen der Arzneien kennen“. Heute sind Ärzte und Pharmazeuten, unterstützt von Philologen, eifrige Rezipienten der antiken Texte, der alten medizinischen Schriften, die meist im Mittelalter verfasst wurden. Denn die heilenden Kräuter und Essenzen bergen eine Unzahl von Wirkstoffen mit medizinischem Nutzen. Und den Rezepten und ihrer Wirksamkeit gehen die Forscher nach, um sie in der Jetztzeit für Therapien einzusetzen.

Klostermedizin: Von der Antike ins Mittelalter

Aber nicht nur die mittelalterlichen Schriften bergen immenses Wissen. Aus dem Römischen Reich und der Antike sind zahllose Schriften durch die Vermittlung der mittelalterlichen Ordensleute erhalten geblieben. Wenn auch vieles vergessen wurde, das Studium der Überlieferungen und der neu hinzugefügten Originale bereichert die medizinische Behandlung der Gegenwart. Der Benediktinerorden versuchte im achten Jahrhundert, das vorhandene medizinische Wissen zu ordnen und für die Praxis nutzbar zu machen.Ein komplexes Ergebnis dieser Bemühungen ist das „Lorscher Arzneibuch“, in dem bereits phytotherapeutische Rezepte zu finden sind.

Weitere Schriften folgten, besonders in den Traktaten des Abt von Reichenau oder des Benediktiners Odo de Meung. Unter anderem wird hier die Wirksamkeit der einzelnen Kräuter beschrieben oder es finden sich Anweisungen zum Anlegen eines Kräutergartens. Walafried Strabo widmet in seinem großen Gartenbuch ganze 27 Kapitel der Gestaltung eines Klostergartens, ergänzt durch die Beschreibung der Heilpflanzen von Ambrosia, Frauenminze bis hin zu Wermut.

Ärzte und Arzneien

Im Mittelalter behandelten die Ärzte der Ordensgemeinschaften nicht nur Fürsten und Könige, sondern auch Bauern, Händler und Gewerbetreibende. Auch Notger, im einflussreichen Kloster St. Gallen beheimatet, lehrte in der Nachfolge von Walafried das geheime Wissen der Heilpflanzen. In Lehrgedichten oder Versen verfasst, wurden die Anleitungen auch gesungen. Eine besonders weite Verbreitung erfuhr das Werk von Odo de Meung im 11. Jahrhundert. Exemplare seines „Macer floridus seu redivivus“ wurden in ganz Europa gefunden.

Der Medizinhistoriker Dr. Johannes Gottfries Mayer stellt fest, dass ein altes Kräuterbuch des Abtes in den letzten zwei Jahrhunderten zwar allmählich in Vergessenheit geriet.

Doch nun bemüht sich eine Arbeitsgruppe der Universität Würzburg, die mittelalterlichen Geheimnisse zu entschlüsseln und für die Medizin der Neuzeit nutzbar zu machen. Dabei ergeben sich nicht nur Probleme mit der lateinischen Sprache. Denn auch die Zuordnung zwischen Pflanze und Pflanzenname ist verloren gegangen. Welches Kraut Zauberkraut genannt wurde, ist heute nicht mehr bekannt, und ob für das Herstellen der Arznei die Blüte, die Rinde oder die Wurzel einer Pflanze Verwendung fand, lässt sich nicht sofort aus den Texten entnehmen.

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Hildegard von Bingen

Im 12.Jahrhundert entstanden die ersten europäischen Universitäten mit medizinischen Abteilungen. Die Orden mit ihrem Kräuterwissen versuchten sich auf die Entwicklung einzustellen, aber sie gaben nach und nach den Anspruch einer umfasenden medizinischen Versorgung in den Spitälern der Klöster auf. Allerdings blieben die Klosterapotheken bis ins 18. Jahrhundert maßgeblcher Bestandteil des medizinischen Alltags. Die Grundversorung für die Bevölkerung übernahmen nun die Universitäten. Damit ging aber auch das traditionelle Wissen weitgehend verloren.

Nur wenige medizinische Schriften blieben erhalten und wurden erst in unserer Zeit wieder entdeckt. Zu den überkommenen medizinischen Arbeiten gehörte auch das Werk der Äbtissin Hildegard von Bingen, die im 12. Jahrhundert lebte und wirkte.

Klostermedizin: Anpassung an die Neuzeit

Die Hildegard-Medizin konnte sich mittlerweile als wesentlicher Bestandteil der Narurheilkunde etablieren. Der Arzt Dr. Gottfried Hertzha machte sie für das 20. Jahrhundert praxistauglich. Mittlerweile gehören die ausgearbeiteten Rezepte zu den immer wieder eingesezten Therapieverfahren vieler Apotheker und Ärzte. Die Medizin der Hildegard besteht aus mehreren Komponenten. Dazu zählen zuallererst Vorschriften für die Ernährung, das Fasten, die Phytotherapie und die Edelsteintherapie. Aber auch medizinische Eingriffe wurden von der Äbtissin empfohlen wie das Schröpfen oder der Aderlass.

Der überwältigende Erfolg der Ordensmedizin in neuerer Zeit ist auch ein Verdienst der Hildegard von Bingen. Obwohl die Nonne den Dinkel nur mit ganzen acht Zeilen erwähnte, werden Rezepte mit dem Heilgetreide nun in großer Zahl verbreitet. In den Kochbüchern finden sich immer wieder Anleitungen etwa für Dinkelbrot und Dinkelkaffee. Dinkel gilt als besonders hochwertiges Getreide, als entfettend und wärmend.

Naturheilmittel und ihre Anwendung

Das Erfahrungswissen der Klostermedizin hat in unserer Zeit weite Verbreitung gefunden. Als eine Ansammlung sanfter Methoden zur schonenden Gesundung finden Kräuter und ihre Extrakte immer wieder in Heilbehandlungen Anwendung. Bei einem starken Husten wurde damals Thymian eingesetzt. Die Triterpene und ätherischen Öle wirken antibakteriell, keimtötend, schleim- und krampflösend. Bei Keuchhusten, festsitzendem Husten und Bronchitis wird das Kraut heute auch von der etablierten Medizin empfohlen.

Klostermedizin: Auf die Dosis achten

Belladonna – auch als Tollkirsche bekannt – wurde von den Mönchen bei Halsschmerzen, Husten und Schnupfen verordnet. Aber Vorsicht: Das Heilkraut kann auch giftig sein und darf hierzulande nur in Apotheken verkauft werden. In der richtigen Dosierung hilft ist es aber ein gutes Mittel bei grippalen Infekten. Auch der Wasserdost ist nicht frei verkäuflich. Die mönchische Medizin behandelte mit dieser Pflanze erfolgreich hartnäckige Erkrankungen der Atemwege. Heute weiß man genauer: Mit Wasserdost wird die Abwehr gestärkt, die Krankheit damit verkürzt.

Auftretendes Fieber wird mit Gurken schonend gesenkt. Süßholz steigert die Konzentrationsfähigkeit, und das sogar medizinisch messbar – wie mittlerweile bekannt – um 15 Prozent. Also in jeden Tee Süßholzwurzel geben – oder vier Stücke Lakritze kauen. Fenchel ist krampf- und schleimlösend, und er unterstützt die Verdauung.

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