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Familie

Mitten im Leben an das Ende denken: Gemeinsam für den Todesfall vorsorgen

Der Tod ist ein oft tabuisiertes Thema. Dabei kann es Zuversicht geben, gemeinsam für den Ernstfall vorzusorgen. Wer mitten im Leben steht, kann mit klarem Kopf Entscheidungen treffen, die Angehörige am Ende des Weges entlasten.

Der eigene Tod oder der eines geliebten Menschen ist in jeder Lebensphase ein schwieriges Thema. Viele Menschen schrecken davor zurück, sich konkrete Gedanken über den Ernstfall zu machen oder mit Angehörigen über ihre Vorstellungen und Wünsche für das Lebensende zu sprechen. Dabei kann es für alle Betroffenen eine große Erleichterung sein, wenn wichtige Details bereits klar definiert sind, bevor der Ernstfall eintritt. Angehörige, die sich auf die persönlichen Wünsche eines Sterbenden oder Verstorbenen stützen können, müssen schwerwiegende Entscheidungen nicht mehr selbst treffen und können sich mehr auf die Begleitung eines geliebten Menschen und auf die eigene Trauerarbeit konzentrieren.

Psychologen empfehlen, sich bereits früh im Leben mit den Möglichkeiten des eigenen Todes oder des Todes eines nahen Angehörigen zu beschäftigen. Wer mitten im Leben steht, kann wichtige Entscheidungen meist frei von Ängsten und mit klarem Kopf treffen und damit wertvolle Vorkehrungen für die Zukunft treffen.

Mit dem Partner und Angehörigen über den Todesfall sprechen

Der Tod ist in unserer Gesellschaft ein Thema, dem wir vorwiegend mit Angst und Ablehnung begegnet. Obwohl der Tod unweigerlich zu jedem Leben gehört, wird er deshalb in den Hintergrund gedrängt, ja sogar vollständig verdrängt, bis er sich irgendwann wieder ins Bewusstsein drängt. Manchmal setzt das Auseinandersetzen mit dem Ende des Lebens dann geradezu schockartig ein und es vergeht eine geraume Zeit, bis die echte und so wichtige Trauerarbeit beginnen kann.

Dabei könnte ein offener und konstruktiver Umgang mit diesem allgegenwärtigen Thema dazu beitragen, dass Menschen in jeder Lebensphase entspannter und angstfreier auf den Tod blicken, sowohl auf den eigenen als auch auf den naher Angehöriger. In seinem Buch „Der Tod ist besser als sein Ruf“ ruft das Berliner Autorenpaar Renate Georgy und Thomas Hohensee dazu auf, sich auf die positiven Gedanken zu konzentrieren, die dem Lebensende einhergehen, zum Beispiel auf die schönen Erinnerungen an ein erfülltes Leben. „Immer mehr Sterbende wünschen sich, dass die Trauernden nicht alle Schwarz tragen und traurige Musik hören. Das ist schon ein erster Schritt hin zu einem entspannteren Umgang“, sagt Georgy im Gespräch mit Süddeutsche.de.

In ihrem Buch möchten die Autoren vor allem dazu anregen, eigene Gedanken zum Tod zuzulassen und sie mit Angehörigen zu teilen. So kann es zum Beispiel viel Zuversicht geben, sich mit dem Partner darüber zu unterhalten, wie das Lebensende aussehen kann und wie sich beide Seiten einen selbstbestimmten und würdevollen Abschied vorstellen. Offene Gespräche nehmen dem Thema Tod sein Stigma und erleichtern den emotionalen Druck, der vor allem mit zunehmendem Alter auf diesem Aspekt lastet.

In einem nächsten Schritt ist es dann möglich, gemeinsam Vorkehrungen für verschiedene Szenarien zu treffen und so wichtige Entscheidungen gemeinsam und mit der Kraft des vollen Lebens in die Wege zu leiten. Ergänzend können persönliche Aufzeichnungen zu den eigenen Wünschen rund um den Abschied eine große Stütze für Hinterbliebene sein. So hinterlassen einige Menschen beispielsweise eine Liste mit Liedern, die im Rahmen ihrer Beisetzung gespielt werden sollen oder Texte, die zu ihren Ehren oder in ihrem Namen verlesen werden können. Selbst die Gestaltung einer Todesanzeige oder einer Danksagung ist als Vorbereitung möglich.

Eine detaillierte Vorbereitung ist nicht nur ein Ausdruck der Selbstbestimmung bis zum Schluss, sondern auch eine große Entlastung für Hinterbliebene, die einem geliebten Menschen so die letzte Ehre ganz nach seinen Wünschen erweisen können.

Die Sterbegeldversicherung: Angehörige vor wirtschaftlichen Belastungen schützen

Neben der emotionalen Belastung, die der Verlust eines geliebten Menschen mit sich bringt, können auch wirtschaftliche Faktoren problematisch werden. Mit einer Sterbegeldversicherung ist es möglich, finanziell für den eigenen Todesfall vorzusorgen. So bleiben Angehörige wirtschaftlich unbelastet und der Verstorbene kann bereist zu Lebzeiten dafür Sorge tragen, dass seinen persönlichen Vorstellungen für den Todesfall in vollem Umfang entsprochen werden kann. Vielfach ist es sogar möglich, verschiedene Detail bereits frühzeitig verbindlich festzulegen und finanzielle Verbindlichkeiten zu begleichen.

Eine Sterbegeldversicherung ist so individuell wie der Mensch selbst. Es gibt auf dem Markt zahlreiche renommierte Anbieter und eine Vielfalt an Produkten, die sich optimal auf die eigenen Bedürfnisse anpassen lassen. Zu den wichtigsten Qualitätsmerkmalen einer Sterbegeldversicherung gehört die Wartezeit. Dabei handelt es sich um die Aufbauphase zu Beginn der Versicherung, während der mit Ausnahme eines Unfalltodes kein Versicherungsschutz besteht. Lediglich die Rückerstattung der bereits geleisteten Beiträge können Angehörige im Todesfall vor dem Ende der Wartezeit verlangen. Viele günstige Versicherungen beinhalten eine Wartezeit von bis zu drei Jahren.

Versicherungsexperten raten Verbraucher unabhängig von ihrem Alter und ihrem individuellen Gesundheitszustand von derart langen Wartezeiten ab. Zu den besseren Produkten gehören Sterbegeldversicherungen, die nach einer Wartezeit von sechs Monaten gestaffelte Leistungen bis zum Erreichen des vollumfänglichen Versicherungsschutzes anbieten. Einen Sofortschutz ohne Wartezeit bieten nur wenige Versicherer an. Diese Option ist häufig auch an das Alter der zu versichernden Person und ihren Gesundheitszustand geknüpft.

Ehepaare und in einer Partnerschaft lebende Personen können bei vielen Anbietern auch von gemeinsamen Tarifen profitieren, bei denen ein umfangreiches Leistungspaket für beide Partner zu günstigen Konditionen inkludiert werden kann.

Mit Vorsorgevollmacht und Patientenvollmacht auch Unerwartetes absichern

Auch wenn sich jeder Mensch ein selbstbestimmtes Leben bis zum letzten Augenblick wünscht, ergeben sich nicht selten unvorhergesehene Umstände, die die eigene Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit einschränken. Dann obliegt es den nächsten Angehörigen, wichtige Entscheidungen zu treffen und anfallende Formalitäten zu regeln. Über eine Patientenverfügung lassen sich medizinische Fragen schriftlich klären. Im Vordergrund stehen dabei meist die Wünsche der Betroffenen im Hinblick auf lebensverlängernde und lebenserhaltende Maßnahmen sowie Vorgaben zu therapeutischen Fragen, wie zum Beispiel zur Schmerztherapie oder zu Maßnahmen aus dem Bereich der Palliativmedizin.

In einer Patientenverfügung können alle Details rund um die eigene Gesundheit festgelegt werden. So können sich Angehörige im Ernstfall auf die konkreten Wünsche der Betroffenen stützen und Entscheidungen ohne emotionalen Druck in ihrem Sinne treffen. Eine Patientenverfügung versetzt eine namentlich benannte Vertrauensperson auch rechtlich dazu in die Lage, die zuvor festgelegten Wünsche des Patienten vollumfänglich durchzusetzen. Deutlich umfangreicher als die Patientenverfügung ist die so genannte Vorsorgevollmacht.

Sofern sie nicht eingeschränkt wird, ist die Vorsorgevollmacht eine Generalvollmacht für eine benannte Vertrauensperson, die damit alle wesentlichen Formalitäten für den Betroffenen übernehmen darf, sowohl in Gesundheitsfragen als auch im Zusammenhang mit Behörden oder Banken. Eine Vorsorgevollmacht kann auch nach den Wünschen des Ausstellers auf verschiedene Bereiche beschränkt werden. Experten raten grundsätzlich dazu, medizinische Fragen aus der Vorsorgevollmacht auszuklammern und diese separat in einer Patientenverfügung zu regeln.  So können unterschiedliche Behörden in die Vorsorgevollmacht Einsicht nehmen, ohne gleichzeitig auch die Details der Patientenverfügung offengelegt zu bekommen.

Eine Bankvollmacht lässt Hürden leichter nehmen

Mit einer Bankvollmacht lassen sich finanzielle Hürden leichter nehmen. Wer frühzeitig eine entsprechende Vollmacht für Angehörige ausstellt, macht es ihnen im Ernstfall leichter, auf finanzielle Mittel für die Begleichung ausstehender Verbindlichkeiten zurückzugreifen. Eine Bankvollmacht kann jederzeit und ohne großen Aufwand direkt bei der Bank beantragt werden. In der Regel wird eine Person namentlich benannt, die von der Vollmacht Gebrauch machen kann. Bankkunden haben in diesem Fall die Wahl zwischen einer Standardvollmacht oder einer speziellen Bankvollmacht für den Sterbefall.

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